Gute Freunde

Penzberg hat in Deutschland und Frankreich drei Partnerstädte und genießt den regen Austausch.

Gleich und gleich gesellt sich gern. Und: Gegensätze ziehen sich an. Zwei alte Regeln für die Partnerwahl. Passt die eine nicht, passt die andere … Bei Penzberg passen beide. Denn die Verbindungen mit den Partnerstädten Ahlen/Westfalen (gleich und- gleich) sowie zu Tempelhof-Schöneberg

AHLEN – KUNST UND KOHLE Gute Freunde 3

Dass Ahlen und Penzberg etwas gemeinsam haben, sieht man schon beim Blick in den ADAC-Atlas: Beide Städte sind umgeben von gelb markierten, also sehr sehenswerten Orten. Selbst aber ist ihnen diese schmückende Herausstellung versagt. Was Autoreisenden also suggeriert, dass man nicht automatisch einen Abstecher nach da – Penzberg – oder dort – Ahlen – machen müsste. Was natürlich falsch ist. Das westfälische Ahlen und Penzberg sind Partnerstädte seit 2007. Die Stadt am Nordrand des Ruhrgebietes hat ihre Entwicklung dem Bergbau zu verdanken. Bis ins Jahr 2000 ist hier Kohle abgebaut worden, dann schloss die Zeche Westfalen. Die örtliche Bergbaugeschichte hatte ihr Ende gefunden. Anders allerdings als in Penzberg sind hier Bergwerksanlagen erhalten, sind umgebaut und umgenutzt worden und sind damit zugleich Denkmäler der Industriegeschichte und starke Erinnerungen an die stolze Bergmannstradition. Eine weitere unübersehbare Gemeinsamkeit gibt es: Ahlen ist, wie Penzberg, eine Kunststadt. Hier wie dort lädt ein großartiges Museum zum Besuch, das aus historischem Gemäuer und hochmodernem, überaus gelungenem Ergänzungsbau besteht. Ungemein eindrucksvoll: die abendlichen Lichtkunstinstallationen auf der Fassade des Kunstmuseums Ahlen. Und noch etwas: Die Kunst betreffend, warten beide Städte mit großen Namen auf. Penzberg mit Heinrich Campendonk (1889 - 1957), Ahlen mit dem Maler Fritz Winter (1905 - 1976). Das Fritz-Winter-Haus ist auch und vor allem einen Besuch wert! Kurzum: Vorbeizufahren an Ahlen wäre allein schon wegen der Kunst und der Bergbaugeschichte grob fahrlässig!

MAGAZIN fuer Homepage3 12.20.20LANGON – EIN MAIBAUM AUS BAYERN

Dass die seit 1981 bestehende Partnerschaft mit Langon (gut 40 Kilometer südöstlich von Bordeaux) genauso lebendig gestaltet wird wie die mit Ahlen, ersieht man schon an den bayerischen Maibäumen, die in schöner Regelmäßigkeit in der kleinen Stadt an der Garonne aufgestellt werden. So auch im Jahr 2018. Da brachen Reisegruppen in mehreren Etappen nach Frankreich auf. Eine Wohnmobil-Kolonne, angeführt von Hardi Lenk, der auf dem Hänger den zweigeteilten Maibaum transportierte. Andere kamen mit der Bahn, wieder andere gelangten im Pkw in die Partnerstadt. Eine Delegation von 65 Penzbergern feierte dann mit den französischen Freunden das Maibaumfest – mit Wein und Bier, mit Ausflügen und Geselligkeit. Unter den Bahnfahrern waren auch Penzbergs Erste Bürgermeisterin Zehetner sowie Altbürgermeister Mummert – laut deren Angaben war die endlos lange Fahrt von Penzberg über München und Paris dennoch kurzweilig. Respekt verdienen die Bahnfahrer aber allemal: Im Gegensatz zu den Motoristen, die mit dem Maibaumaufstellen gleich noch eine Urlaubsreise verbunden haben, waren sie nämlich an zwei der insgesamt fünf Tage von Donnerstag bis Montag auf den Schienen unterwegs. Übrigens: Beim nächsten Weinfest in Penzberg lässt sich gewiss ein Hauch Langon und viel Verbindendes zwischen Oberbayern und Südwestfrankreich herausschmecken.

TEMPELHOF-SCHÖNEBERG – LUFTBRÜCKE, BRANDT UND KENNEDY

Eine geschichtsträchtigere Partnerstadt könnte man eigentlich gar nicht haben. Und doch bleibt der Bezirk Tempelhof- Schöneberg bei den meisten Städtereisenden links liegen. Die Hauptziele heißen Brandenburger Tor, Reichstag, KadeWe, Potsdamer Platz, Gedächtniskirche, Kudamm, Hacke’sche Höfe usw. Was nun Tempelhof betriff t, denkt man natürlich an den Flughafen, der 2008 geschlossen worden ist. Die Älteren bringen damit die „Luftbrücke“ in Verbindung, jene in die Hunderttausende gehenden Flüge zwischen Juni 1948 und Mai 1949 zur Versorgung der abgeschotteten Stadt. Besonders bemerkenswert ist auch das Rathaus Schöneberg. Von 1949 bis 1991 war es Sitz des Regierenden Bürgermeisters von Westberlin. Von 1957 bis 1966 war das kein Geringerer als Willy Brandt. In seine erste Amtszeit fiel 1961 der Bau der Mauer. Zwei Jahre später hielt der amerikanische Präsident John F. Kennedy am später nach ihm benannten Platz vor dem Rathaus seine berühmte Rede und pries, laut Willy Brandts 1989 erschienenen Erinnerungen, „den Willen der Stadt zur Selbstbehauptung und wies zugleich auf Perspektiven eines gerechten Friedens hin“. In Erinnerung geblieben ist vor allem freilich dieser eine Satz von Kennedy: „Ich bin ein Berliner!“ Und wie kam nun diese außergewöhnliche Städtepartnerschaft zustande? „Um ein Zeichen gegen den Mauerbau zu setzen und öffentlich zu demonstrieren, dass Berlin weiterhin ein Teil Westdeutschlands ist, engagierten wir uns in den siebziger Jahren im Partnerschaftsverbund des Berliner Bezirks Tempelhof-Schöneberg, gemeinsam mit Ahlen, Bad Kreuznach, Braunschweig und Wuppertal“, erfährt man in der Penzberger Stadtverwaltung. Übrigens: Nur ein paar hundert Meter vom Schöneberger Rathaus entfernt, gibt es die Penzberger Straße …

FAZIT

Ob man es mehr mit französischem Lebensgefühl hält, ob man der Bergbautradition wiederbegegnen möchte oder ob einen die bundesrepublikanische Geschichte interessiert – man sollte sich auf den Weg machen. Nach Langon, Tempelhof-Schöneberg und Ahlen in Westfalen. Am besten unverzüglich.