Der Brand

Auch ein Jubiläum. Tragisch. Aber mit glimpflichem Ausgang.

„Es war wirklich zum Heulen“, erinnert sich Hans Mummert, damals Erster Bürgermeister und gerade erst aus dem Urlaubnach Penzberg zurückgekehrt. Da erreichte ihn ein Anruf am Handy: „Du Hans, was muss dringend aus Deinem Büro raus?“ „Warum?“, fragte der Bürgermeisterverdutzt. „Weil’s Rathausbrennt“, gab Hardi Lenk, Stadtrat und Zimmerermeister lakonisch zur Antwort.

Was war geschehen? Am Dienstag,18. August 2009, um neun Uhr morgens, brach nach Reparaturarbeiten im Dachbereich des denkmalgeschützten Penzberger Rathauses ein Feuer aus. Die gesamte Belegschaft konnte geordnet das Haus verlassen. Und zunächst sah die ganze Sache gar nicht allzu spektakulär aus. Ein bisschen Rauch aus dem Dach, mehr nicht. Wer hätte zu diesem Zeitpunktauch ahnen können, dass der vermeintlich kleine Brand das komplette Rathaus zerstören würde.

Dr. Johannes Bauer, der als 2. Bürgermeister an diesem Tag die Amtsgeschäfteführte, begann – neben seiner Helfertätigkeit– mit dem Fotografieren des Geschehens; zunächst mit dem Handy, dann mit einer kleinen digitalen Kamera, die ihm seine Frau vorbeibrachte. Diesem Umstand ist es zu verdanken, dass die Ereignisse vom 18. August und den Tagen danach so umfassend und detailgenau in einem 60-seitigen Bildband (den es bislang allerdings nur in einer Kleinstauflage gibt) festgehalten sind. „Ich schau‘ immer gern auf die Nebensächlichkeiten“, sagt Bauer und fügt hinzu: „Auf Nebensächlichkeiten, die dann aber doch die Hauptsache zum Ausdruck bringen.

“Die Hauptsache: Die Flammen fraßen sich, schwer in den Griff zu bekommen, durchs Dachgestühl und das Isolationsmaterial. Schluss endlich musste das gesamte Dach aufgerissen und der Brand von oben gelöscht werden. „Als die Möglichkeit bestand, noch wichtige Unterlagen wie etwa die Protokollbücher des Stadtrates zu bergen, watete man knöchel- bis knietief durch Wasser und Löschschaum“, berichtet Roman Reis, der seit 2006 Geschäftsleiter der Stadtverwaltung ist und in dieser Funktion nach dem Brand organisatorisch einiges zu stemmen hatte.

Wer nun allerdings in Anbetracht der Bilder vor allem Chaos vermutet, täuscht sich gewaltig. „Nachdem das Gebäudedurch das THW gesichert war, konnten wir in einer ersten Maßnahme das Bürgerbüroräumen, Akten bergen, Dateienretten. Die Akten waren zum Teil natürlich nass und mussten zum Trocknen ausgelegt oder aufgehängt werden. Aber Totalverluste gab es wenige.

Brand 3“Es dauerte zwei Jahre, ehe das Rathauswieder eröffnet werden konnte –2011, anlässlich des Festjahres „100 Jahre– Penzberg feiert Namenstag“ (bis 1911 war Penzberg gemeinderechtlich als Sankt Johannisrain geführt worden).Nur die Außenmauern des denkmalgeschützten Gebäudes waren stehen geblieben, drinnen war alles neu und vieles moderner konzipiert worden. In diesen zwei Jahren musste improvisiert werden. Und das, daran erinnert sich nicht nur der Geschäftsführer Reis, es erinnern sich auch viele Penzberger, funktionierte hervorragend. „Schon ein paar Tage nach dem Brand waren die für die Bürger maßgeblichen Bereiche der Stadtverwaltung wieder weitgehendfunktionsfähig.“ In der Rathauspassage und in zusätzlich angemieteten Räumlichkeiten waren nun, beengt aber zweckmäßig, die verschiedenen Abteilungenuntergebracht. „Natürlich war der Rathausbrand eine schlimme Sache. Wie ja überhaupt das Jahr 2009 mit der Finanzkrise für enorme Anspannung bei den Kommunen, auch bei uns in Penzberg gesorgt hat. Da ist alles zusammengekommen …

“Doch nichts Schlechtes, dem nicht auch etwas Gutes abzugewinnen wäre. „Die räumliche Enge brachte eine Arbeit 2009 zerstörte ein Feuer das Penzberger Rathaus. Auch ein Jubiläum. Tragisch. Aber mit glimpflichem Ausgang. Der kurzen Wege mit sich, ein noch besseres Sich-Kennenlernen, eine ganz unkomplizierte Kommunikation“, so Roman Reis. „Und das“, fügt er hinzu, „muss man schon auch noch erwähnen: dass die Penzbergerinnen und Penzberger sehr verständnisvoll auf das Provisorium‚ Rathaus nach dem Brand‘ reagiert haben.

“Zehn Jahre später ist alles Geschichte und es gibt auch Gelegenheiten, darüber zu schmunzeln. So zum Beispiel, wenn Bauer, seit 1990 für Bündnis 90/Die Grünen im Stadtrat, seit 2008 im Amt als Zweiter Bürgermeister, gelegentlich die Erste Bürgermeisterin im Rathaus vertritt. „Gib Obacht, dass es nicht wiederbrennt, wenn du im Bürgermeisterzimmersitzt“, frotzeln dann nicht nur seine Fraktionskollegen …