Einfach eine gute Stadt

Von der Bergbautradition zur Moderne
Nach der Schließung des Bergwerks 1966 ist der Strukturwandel gelungen.

Ein Beitrag von Stadtbaumeister Justus Klement.

Nach der Schließung des Bergwerks 1966 ist der Strukturwandel gelungen. Heute ist Penzberg eine moderne Stadt, ein hervorragender Wirtschaftsstandort und ein attraktiver Wohnort. Doch auf dem Erfolg ausruhen will man sich nicht.
Auch Penzberg ist nicht „die Vorstufe zum Paradies“, wie ein vormaliger Ministerpräsident Bayern bezeichnet hat. Auch hier ist nicht alles Gold, was glänzt, auch hier gibt es ständig neue Aufgaben, neue Herausforderungen und bisweilen auch ungeahnte Probleme. Doch eines dürfte allen hier lebenden Menschen klar sein: Penzberg ist eine Stadt, die alles hat, was man braucht, um es ganz salopp zu sagen. Die Geschäftswelt ist gut sortiert, das Vereinsleben spiegelt die vielen Interessen der Bevölkerung, das Angebot an Sport und Kultur ist mehr als reichhaltig, das Verhältnis von Arbeit und Freizeit lässt sich ausgewogen gestalten. Von all dem wird hier im MAGAZIN noch berichtet werden. An dieser Stelle aber soll vor allem aufgezeigt werden, was dem heutigen, dem modernen Penzberg von 2019, die besondere Charakteristik verleiht und, vielleicht wichtiger noch, was auf die Zukunft einstimmt.

 

Einfach eine gute StadtTHEMA NR. 1: GRUNDVERSORGUNG

Schauen wir dabei nicht zuallererst auf die Architektur, die bekanntlich immer die deutlichsten Zeichen einer Stadtentwicklung abgibt. Schauen wir lieber erst einmal auf die Daseinsvorsorge, auf all das also, was Voraussetzung ist für das gute Arbeiten und das gute Leben in Penzberg. Der Volksmund spricht dabei gern von „Gas, Wasser, Sch…“, pardon: Abwasser. Gemeint ist viel mehr. Zu dieser Grundversorgung gehören selbstverständlich auch das öffentliche Verkehrswesen – zuletzt durch die Ringbuslinie attraktiver geworden! –, der Ausbau der Elektromobilität, das eigene Stromnetz, der Ausbau erneuerbarer Energien (2018 wurde ein großer Solarpark im Osten der Stadt eingerichtet) und nicht zu vergessen der weitere Breitband-Ausbau. Was die Bürger als selbstverständlich hinnehmen dürfen, ist doch das Ergebnis intensiver Planungen und Vorleistungen sowie ständiger Betreuung und Weiterentwicklung durch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadtwerke und des Bauhofes. Man denke nur einmal an die Wasserversorgung: Wer macht sich schon Gedanken, woher Penzberg sein Wasser bezieht, wie es in die Stadt gelangt und dann in bester Qualität ins Glas? Die passende Geschichte dazu heißt „Wasser marsch!“ und findet sich für Sie ab Seite 76.

AUSHÄNGESCHILD NONNENWALDSTADION
Zur Daseinsvorsorge – welch sperriger Begriff ! – gehören in einer Stadt wie Penzberg selbstverständlich auch das Krankenhaus, die Bildungseinrichtungen (von der Grundschule übers Gymnasium bis hin zur Städtischen Musikschule) und die Sportanlagen. Penzberg hat nicht nur eine Vielzahl von Sportvereinen, sondern Wellenbad: Auch hier wird nun die Zukunft eingeläutet. Und dann ist da ja noch das Nonnenwaldstadion, das mit seinen Rasen- und Kunstrasenflächen, mit Tartanbahn und Tribünen allen Ansprüchen von Ballsport und Leichtathletik genügt und in Sachen Sport und Stadtentwicklung sicher so etwas wie ein „Aushängeschild“ Penzbergs darstellt.

PENZBERG HEUTE UND MORGEN
Was die Entwicklung hin zur heutigen Stadt angeht und was bereits in den 1970-er Jahren begonnen hat, um den Strukturwandel von der Bergbaustadt zu ermöglichen und sich als Stadt neu zu erfinden, ist unübersehbar. Da ist die Berghalde, ehemals ein wahres Gebirge aus Abraumschutt, seit einigen Jahrzehnten nunmehr Freizeit und Erholungsgelände. Da ist die unter Bürgermeister Hans Mummert begonnene Innenstadtsanierung, die auch künftig eine Fortführung erleben wird. Da ist die aufwändig sanierte, modernisierte und erweiterte Stadthalle, 1928 eröffnet, 2017 wiedereröffnet und, nach einigen Startschwierigkeiten, künftig ein zentraler Ort des gesellschaftlichen Lebens. Und da ist nicht zuletzt der Stadtplatz samt „Eselsbrunnen“ – Platz wie Brunnen lang umstritten, bei den Bürgern nicht kritiklos angenommen. Und doch weiß man das Ensemble zu schätzen, wenn nunmehr vor dem Rathaus Veranstaltungen stattfinden können – vom Wochenmarkt bis zu „Hannis Eismärchen“. Dass der ganze Platz zugepflastert sei, wird bisweilen moniert. Die beste Antwort, die zuletzt Passanten abzulauschen war, ist wohl jene: „Mei“, sagte da ein älterer Mann zu den Umstehenden, „fahren Sie einmal nach Siena. Renaissance-Stadt. Weltkulturerbe. Da werden Sie schauen! Die ganze weltberühmte Piazza del Campo ist auch gepflastert…“

THEMA NR. 2: SPANNENDE ARCHITEKTUR

Mit Stadtbaumeister Justus Klement durch die Stadt zu spazieren, ist überaus spannend und erkenntnisreich. Klement setzt vor allem auf die weitere Innenstadtentwicklung als Lebensraum und Einkaufsraum. Er sieht sich dem Erhaltenswerten, den zum Teil denkmalgeschützten Bereichen verpflichtet, begeistert sich aber genauso für die Beispiele moderner beziehungsweise klassisch- moderner Architektur in der Stadt. Die Eindrücke, die man bei einer solchen Begehung gewinnt, könnten verschiedenartiger nicht sein. Manches ist ganz auffällig, wie zum Beispiel die Moschee. „Modern und zeitgemäß“, bewertet sie Klement und verweist ganz besonders auf das Minarett, das ohne die orientalisch anmutende Form mit Rundtürmchen und Kuppel auskommt. Oder das Museum Campendonk, entworfen vom Penzberger Architekten und Kulturschaff enden Thomas Grubert: Ein besonders gelungener Kunstbau, der schon im Fassadenbestandteil aus schwarzen Klinkern mit der Bergbaugeschichte „spielt“ und zugleich das Tor in die Zeit der kommenden Generationen aufstößt.
Genaues Hinschauen erfordert dann schon die Aussegnungshalle am Städtischen Friedhof: Sie stammt aus den 1970-er Jahren und wirkt eindrucksvoll aufgrund der Offenheit des sakralen Raumes, die durch große Glasfronten hergestellt wird. Die Aussegnung ist hier nicht hermetisch abgetrennt vom Friedhof und den Besuchern, sondern der Tod ist integriert in diese Welt. Auch das Druckzentrum Penzberg, die riesige Werkshalle, fasziniert durch architektonische Form. Hier gilt dasselbe: Wer nur achtlos daran vorbeifährt, bekommt davon wenig bis nichts mit …
„Machen Sie einmal einen Spaziergang durch Steigenberg“, empfiehlt Klement. „Sie werden zwischen den ‚alteingesessenen‘ Ein- und Mehrfamilienhäusern sehr moderne Wohnbauten entdecken.“
Das vielleicht spektakulärste moderne Gebäude allerdings ist nicht ganz ohne weiteres zugänglich. Hinter dem Namen „LOC 37“ verbirgt sich das Flaggschiff der „Roche-Stadt“: ein hochmoderner Labor- und Bürokomplex inklusive dem größten biotechnologischen Ausbildungszentrum Bayerns. Tipp: Der nächste „Tag der offenen Tür“ kommt bestimmt …

Einfach eine gute Stadt 3THEMA NR. 3: DIE INNENSTADT

„Bei der Innenstadt“, sagt Stadtbaumeister Klement, „haben wir noch enormes Entwicklungspotenzial.“ Das gilt natürlich für die Peripherie genauso. Doch die Innenstadt liegt Klement eben auch besonders am Herzen. Ihm geht es darum, den öffentlichen Raum lebenswert, sozial und bürgerfreundlich zu gestalten – immer auf Basis der besonderen Charakteristika der Stadt. Das Stadtbauamt arbeitet dabei auf der Grundlage des sogenannten Integrierten Stadtentwicklungskonzeptes (ISEK), einem Planungsinstrument gemäß Baugesetzbuch. Aufgabe dabei ist es, die mittel- und langfristigen Entwicklungsziele für die Stadt zu definieren und umzusetzen. Mehr dazu findet man unter www.penzberg.de/rathaus/isek
„Als nächstes geht es darum, die Philippstraße aufzuwerten. Die muss einfach als Straße schöner werden. Allein schon, wenn man die Fläche fürs Auto optisch – ich betone: optisch! – verkleinert, ist da schon viel bewirkt.
“Man sieht: Eine Stadtentwicklung ist niemals abgeschlossen. Und es fällt einem das alte Bonmot ein, Rom sei ja auch nicht an einem Tag erbaut worden – da arbeite man immer noch dran … Ja, was für Rom gilt, das gilt letztlich für jede lebendige Stadt. Und das ist Penzberg zweifelsohne: eine lebendige Stadt. Oder anders gesagt: Einfach eine gute Stadt.